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Neuigkeiten
Auswärtiges Amt warnt vor Hepatitis in Tschechien
Das Auswärtige Amt hat auf den Anstieg der Hepatitis-A-Infektionen in Tschechien hingewiesen und eine Einreise nur mit Impfung gegen die Krankheit empfohlen. Besonders betroffen seien laut Auswärtigem Amt die Hauptstadt Prag sowie die Bezirke Karlovy Vary (Karlsbad), Mittelböhmen und Mährisch-Schlesien. „Achten Sie auf grundlegende Hygienemaßnahmen, insbesondere auf eine konsequente Handhygiene“, heißt es auf der Webseite des Auswärtigen Amtes.
Tschechien erlebt derzeit die größte Hepatitis-A-Epidemie der letzten Jahrzehnte. Bis Mitte November wurden über 2.500 Ansteckungen gemeldet, viermal mehr als vor einem Jahr und so viele wie noch nie seit 1989. Die letzte Hepatitis-A-Epidemie datiert mit über 32.000 Infizierten aus dem Jahr 1979.
Erste Kohlekraftwerke werden schon 2027 geschlossen
Bereits Ende nächsten Jahres gehen in Tschechien erste Kohlekraftwerke vom Netz. Die Firma Sev.en hat angekündigt, die Kraftwerke Počerady und Chvaletice sowie das Kraftwerk in Kladno im Dezember 2026 abzuschalten, spätestens im März 2027. Grund sei die schwierige Marktsituation. Konkret geht es um die Höhe des Preises für die Emissionszertifikate sowie die Marktpreise für Elektroenergie sowie Gas. Damit würden die Kraftwerke weit vor dem bisherigen Regierungsplan abgeschaltet. Der war von einem Kohleausstieg im Jahr 2033 ausgegangen.
Das Kraftwerk Počerady liegt in Nordböhmen südlich von Most (Brüx). Das Kraftwerk in Chvaletice befindet sich an der Elbe im Bezirk Pardubice östlich von Kolín. Beide gehören zu den größten Kohlekraftwerken Tschechiens. Zusammen mit dem Kraftwerk in Kladno haben sie eine installierte Leistung von fast 2.400 Megawatt. Das Kraftwerk in Kladno hat zudem eine installierte Wärmeleistung von 950 Megawatt.
Sev.en fährt mit den Kraftwerken bereits das zweite Jahr in Folge hohe Verluste ein. Das Problem sind die hohen CO2-Emissionen. Sev.en braucht für die Herstellung einer Megawattstunde genau ein Emissionszertifikat. Zum Vergleich: Die Kohlekraftwerke des staatlichen Energiekonzerns ČEZ brauchen im Schnitt nur 0,8 Zertifikate. Die Kraftwerke von Sev.en verfügen auch über einen schlechteren Wirkungsgrad, der bei 32 bis 33 Prozent liegt.
Die große Frage wird sein, welche Auswirkungen die Schließung von gleich drei Kraftwerken auf das Netz und die Energieversorgung haben wird. Das muss die Netzgesellschaft ČEPS prüfen. In einer früheren Projektion war ČEPS bereits davon ausgegangen, dass eine Abschaltung gleich mehrerer Kraftwerke Tschechien zu einem Importeur von Elektroenergie machen würde. Das Land ist bisher traditionell Exporteur von Energie. Sollte es volkswirtschaftlich nötig sein, gibt es in Tschechien das Instrument, ein Kraftwerk mit staatlicher Hilfe weiterproduzieren zu lassen.
Eine wichtige Rolle spielt auch der bevorstehende Regierungswechsel. Die drei beteiligten Parteien haben bereits angekündigt, Kohlekraftwerke mit staatlicher Unterstützung länger laufen zu lassen.
Eine Oberleitung sorgt für Zugchaos zwischen Prag und Berlin
Zugumleitungen und stundenlange Verspätungen: Am 26. November (Mittwoch) mussten Bahnreisende von Prag über Dresden und weiter nach Berlin viel Geduld aufbringen. Ursache war eine nächtliche Havarie an der Oberleitung auf der Strecke Prag-Děčín, hieß es in einer Eilmeldung der Tschechischen Eisenbahn České dráhy. Zwischen den Stationen Hrobce und Roudnice nad Labem (Raudnitz) war der Bahnverkehr unterbrochen. Internationale Züge wurden mit erheblichen Verspätungen über die rechtselbische Alternativstrecke über Lysá nad Labem und Mělník umgeleitet, was sich dann auch auf den Verkehr zwischen Dresden und Berlin auswirkte. Erst ab 14 Uhr war die Strecke am Ort der Havarie wieder befahrbar, die Verspätungen zogen sich noch bis in die Abendstunden.
Was die Bahn allerdings nicht mitteilte: Zu einem Oberleitungsschaden kam es innerhalb von knapp neun Monaten bereits zum 16. Mal, das letzte Mal am vergangenen Wochenende. Und der Schaden entsteht nicht zufällig irgendwo auf freier Strecke, sondern mitten in Roudnice nad Labem. Er ist gewissermaßen ein Schaden mit Ansage. In Roudnice wird nämlich seit März die historische Špindler-Brücke über die Elbe saniert. Die Stahlkonstruktion aus dem Jahr 1910 war in die Jahre gekommen. Die internationale Bahnstrecke führt auf der Stadtseite direkt unter der Brücke hindurch. Als die Strecke elektrifiziert wurde, stand die Brücke bereits, weshalb die Oberleitung relativ niedrig hängt. Um die Brückensanierung und vor allem die Bauarbeiter nicht zu gefährden, wurde der Teil unter der Brücke vom Netz genommen. Lokführer müssen für die Zeit den Stromabnehmer einziehen. Um ganz sicher zu gehen, hat das Bahninfrastrukturunternehmen Správa železnic vorher und nachher Sicherheitshaken einbauen lassen. Bleibt der Stromabnehmer oben, wird er als Notlösung von den Haken heruntergerissen. Dann bleibt die Oberleitung zwar ganz, aber der Zug kommt mit kaputtem Stromabnehmer nicht weiter und blockiert die Strecke, bis eine neue Lokomotive beschafft ist.
Momentan schieben sich Infrastrukturunternehmen und Lokführer die Schuld gegenseitig in die Schuhe. Die einen beklagen ignorante Lokführer. Die anderen fühlen sich schlecht vorgewarnt. In der Tat, blinkende Warnsignale wurden erst vor kurzem installiert. Außerdem werden die Lokführer neuerdings angerufen und erinnert, den Stromabnehmer runterzufahren. Trotzdem kam es in der Nacht zu Mittwoch erneut zu einer Havarie. Die Lokführer meinen auch, dass sich das Problem technisch anders lösen ließe und die Stromabnehmer unnötig zerstört werden. Správa železnic bestreitet, dass es eine andere technische Lösung gibt.
Eine schlechte Nachricht dürfte es in dem Zusammenhang gewesen sein, als im Oktober bekannt wurde, dass die Brücke viel länger saniert werden muss als ursprünglich vorgesehen. Eigentlich sollte die Sanierung nämlich schon jetzt abgeschlossen sein. Da sowohl Stahlkonstruktion als auch Sandsteinträger in Teilen ausgetauscht werden müssen, dauert die Sanierung nun bis Herbst nächsten Jahres. Der Bezirk Ústí, dem die Brücke gehört, hat angekündigt, das Brückenstück, unter dem die Bahnstrecke führt, so schnell wie möglich fertigstellen zu wollen. Bis dahin drohen im erneuten Havariefall wieder stundenlange Verspätungen.
Nordböhmische Städte bieten Stipendien für Rückkehrer
Um den Wegzug vor allem gut ausgebildeter Fachkräfte zu stoppen, setzen Städte in Nordböhmen auf Stipendien. So bietet die Kurstadt Teplice (Teplitz) jedes Jahr 100.000 Kronen für all jene, die nach ihrem Studium nach Teplice zurückkehren und dort arbeiten oder unternehmerisch tätig sind. Bedingung ist, dass sie nach Beendigung des Studiums mindestens die gleiche Zeit in Teplice bleiben, wie sie das Stipendium empfangen haben. Das Interesse ist allerdings begrenzt. Gerade einmal fünf haben sich gemeldet. Umgerechnet kommt das Stipendium auf 4.167 Euro im Jahr. Das hört sich nicht viel an, aber kann schon weiterhelfen. Anders als bisher: Da hatte die Stadt nur ein Jahresstipendium von 10.000 Kronen geboten, also 417 Euro. Für so wenig Geld wollte sich niemand an die alte Heimat binden.
Noch geringer ist das Interesse an der Hopfen- und UNESCO-Welterbe-Stadt Žatec (Saaz). Für ein Jahresstipendium, das allerdings nur bei 50.000 Kronen liegt, hat sich seit Einführung im Jahr 2022 noch niemand gemeldet. In Žatec beschränkt sich das Angebot auch auf künftige Hausärzte, Kinderärzte und Zahnärzte.
Auch der Bezirk Ústí (Aussig) teilt Stipendien aus. Bis zu 100.000 Kronen kann man hier bekommen. Das Stipendium ist allerdings inzwischen auf künftige Lehrer beschränkt. Immerhin zehn pro Jahr meldeten sich. Das war früher anders, als das Stipendium noch ohne Einschränkung für andere Fächer bezogen werden konnte.
Auch der Stadt Aš im sächsisch-bayerisch-tschechischen Dreiländereck geht es vor allem um Lehrer. Studenten können pro Jahr bis zu 96.000 Kronen erhalten (4.000 Euro). Dazu kommt nach dem Studium ein einmaliges Startgeld von noch einmal 150.000 Kronen (6.250 Euro). Außerdem können die künftigen Lehrer langfristig an der Miete sparen. Sie bekommen sogar bevorzugt eine städtische Wohnung zugewiesen, die sie ein Jahr mietfrei nutzen können. Danach zahlen sie zwar die Miete selbst, aber nur halb so viel wie in anderen städtischen Wohnungen.
Gute Verbraucherstimmung in Tschechien
Für Einzelhändler dürfte das vor Weihnachten eine gute Nachricht sein: In Tschechien ist das Vertrauen der privaten Haushalte in die Wirtschaft im November sprunghaft um 4,3 Punkte auf 111,7 gestiegen. Das ist der höchste Wert seit sechs Jahren. Analysten führen das gestiegene Vertrauen in Teilen auf das Ergebnis der Parlamentswahlen im Oktober zurück. „Von der neuen Regierung versprechen sich die Haushalte bestimmte wirtschaftliche Verbesserungen“, wird der Chefanalyst von Provident Financial Petr Javůrek zitiert. Die Hoffnung bezieht sich konkret auf die Versprechen, die Energiepreise zu senken.
Der Anstieg findet aber auch vor dem Hintergrund einer guten wirtschaftlichen Entwicklung statt. Die Wirtschaft wächst schneller als erwartet, und auch die Löhne haben gut zugelegt. Alles zusammen dürfte der Grund für die gute Stimmung sein.
Anders allerdings bei den Unternehmen, wo das Vertrauen in die wirtschaftliche Entwicklung um 3,5 Punkte auf 99,9 nach unten ging. Damit liegt es leicht unter dem Durchschnitt. Das sei ein klares Indiz dafür, dass die gute wirtschaftliche Entwicklung in Tschechien weiterhin vom privaten Verbrauch angekurbelt wird. Aber auch in der Wirtschaft ist das Bild nicht einheitlich. Während in der Industrie und im Bauwesen die Stimmung nach unten geht, ist sie im Dienstleistungssektor prächtig.
Analysten erwarten 2025 ein Wirtschaftswachstum um 2,5 Prozent. Von einer Erholung in der Industrie gehen sie erst im Laufe des nächsten Jahres aus.
Weitere neun sächsisch-tschechische Projekte bewilligt
Heute wurde vom Lokalen Lenkungsausschuss die Förderung von weiteren neun sächsisch-tschechischen Kleinprojekten aus dem Kleinprojektefonds in der Euroregion Elbe/Labe bewilligt. Die Verteilung war diesmal sehr ungleich: Acht tschechischen Projekten stand nur eines aus Sachsen gegenüber. Insgesamt erhalten die Projekte eine Förderung in Höhe von 80.469,60 Euro.
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Am 3. Dezember bietet der tschechische Filmmittwoch erneut ein besonderes Erlebnis: Mit der Kultkomödie »Ecce homo Homolka« von 1969 haben wir wieder einen Film für Kenner des tschechischen Humors im Programm, den man außerhalb des Landes selten zu sehen bekommt, weil er eben sehr tschechisch ist. Wer Filme wie "Der Feuerwehrball" oder "Schwarzer Peter" mag, wird auch hier auf seine Kosten kommen.
Ein ganz normaler Sonntag in der Familie des Taxifahrers Homolka: Erst genießt man die Natur, sucht Pilze, sonnt sich, tanzt elfengleich durch den Wald. Dann kommt es zuhause zu Streit, Opa wird eingeschlossen, ein Pärchen wird immer wieder beim Techtelmechtel gestört, die Kinder schließen sich ein, Sohnemann hat Angst vor seiner Frau, Schnitzel verbrennen, und am Ende? Auch so ein Sonntag geht einmal vorbei...
Regisseur Jaroslav Papoušek hat hier im Stil der Tschechoslowakischen Neuen Welle eine Satire auf das Leben der einfachen, kleinen Leute in der Tschechoslowakei geschaffen, in der die Menschen sehr realistisch gezeigt werden, ohne jede Verklärung, oft nicht vorteilhaft, aber ohne sie bösartig vorzuführen und immer mit Herz. Man wird sich in verschiedenen Aspekten vielleicht selbst wiedererkennen und hoffentlich mehr mit den Figuren als über sie lachen.
Wir haben zwei Vorstellungen um 18 und um 20 Uhr angesetzt, wobei die zweite schon fast ausverkauft ist. Also schnell sein!
Schluckenauer Zipfel vor monatelanger Straßensperrung
Die Menschen im Schluckenauer Zipfel müssen sich im kommenden Jahr auf Einschränkungen auf der wichtigsten Straßenverbindung nach Süden einstellen. Die Staatsstraße I/9 wird nach Planungen der staatlichen Straßen- und Autobahndirektion ŘSD ab 1. März 2026 bis 31. Oktober zwischen Nová huť und Svor vollständig gesperrt. Grund ist der Neubau einer Umgehung um den Ort Svor, um den Verkehr aus dem Ort abzuleiten. Bislang verläuft die I/9 mitten hindurch. In Svor trifft die I/9 auf die Staatsstraße I/13, die dort in den letzten Jahren vierspurig ausgebaut wurde.
Das Vorhaben, eine Umgehung um Svor zu bauen, ist schon länger geplant. Dass der Schluckenauer Zipfel damit für acht Monate um seine einzige Staatsstraße Richtung Landesinneres gebracht wird, wurde allerdings erst jetzt bekannt. Die Umleitung ist beginnend in Jiřetín pod Jedlovou großräumig über Chříbská und Česká Kamenice geplant. Dagegen laufen aber die Bürgermeister der Gemeinden im Schluckenauer Zipfel Sturm. Vor allem in den Städten Varnsdorf, Krásná Lípa und Rumburk zeigt man Unverständnis. Auf der I/9 fahren nicht nur Tausende Menschen täglich zur Arbeit und zur Ausbildung, die Strecke wird auch von Rettungsdiensten für Fahrten ins Krankenhaus von Česká Lípa genutzt. Außerdem verkehren hier regelmäßige Autobusse nach Prag. Die Umleitungsstrecke wiederum ist bereits gut ausgelastet.
Die Bürgermeister fordern eine andere technische Lösung, um den Verkehr über die I/9 wenigstens im Wechsel einspurig oder durch eine provisorische Brücke zweispurig weiterzuführen. Mindestens sollte die Zeit der Sperrung deutlich verkürzt werden. Den Forderungen hat sich auch der Bezirk Ústí angeschlossen. Die Baumaßnahme selbst befindet sich im Bezirk Liberec. Der Investor, die staatliche Straßen- und Autobahndirektion ŘSD, hat auf das schwierige Profil in der Umgebung der Straßenbaustelle verwiesen. Eine Vollsperrung sei unumgänglich.
Gemeinden bekommen Grundstücke am Tagebausee Milada
Die amtierende tschechische Regierung hat auf einer ihrer letzten Sitzungen die kostenlose Übertragung von Grundstücken am Tagebausee Milada bei Ústí nad Labem (Aussig) beschlossen. Die Entscheidung gilt als erster und wichtigster Schritt für die weitere touristische Entwicklung des schon jetzt beliebten Naherholungsgebiets. Bislang gehören die Grundstücke dem Staat und werden von der staatlichen Firma Diamo verwaltet, die sich um ehemalige Bergbaugebiete kümmert. Künftig gehen die Grundstücke an den Freiwilligen Gemeindeverband See Milada (Dobrovolný svazek obcí Jezero Milada). Darin sind neben Ústí die Gemeinden Chabařovice, Trmice und Řehlovice. Insgesamt geht es um 378 Grundstücke mit einer Fläche von 8,2 Millionen Quadratmeter.
Um die Planungen für ein Erholungsgebiet rund um den See Milada zu verwirklichen, fehlt nun nur noch ein Schritt: die Abschreibung der Braunkohlereserven unter dem Gelände rund um den See. Dabei handele es sich Schätzungen zufolge um 128 Millionen Tonnen Kohle. Obwohl der See bereits seit über zehn Jahren für die touristische Nutzung freigegeben ist, könnte der Staat theoretisch jederzeit noch auf die Braunkohlevorkommen zugreifen, was eine verlässliche Planung verhinderte. Die Abschreibung der Kohlevorkommen muss in Abstimmung mit dem Umweltministerium durch das Bergbauamt erfolgen. Es wird erwartet, dass dies im Laufe des Jahres 2026 erfolgt.
Schon jetzt befindet sich am Seeufer Infrastruktur für Freizeit und Erholung. Die Firma Diamo hatte zuletzt zehnjährige Pachtverträge an Betreiber von Boots- und SUP-Verleihen, Imbissbuden oder Bars vergeben. Die langfristigen Verträge behalten auch nach Übernahme der Grundstücke durch den Gemeindeverbund ihre Gültigkeit. Mit den neuen Eigentumsverhältnissen sind aber noch weitergehende Projekte möglich. Dazu gehört das Vorhaben „Wilde Milada“ (siehe "Derweil in Tschechien ... 20/25). Dabei planen der Zoo Ústí, die Stadt Ústí und der Bezirk Ústí im Gebiet des Milada-Sees ein 700 Hektar großes Reservat für wilde Tiere aus Asien, ein Vogelreservat sowie urzeitliche Tiere wie Wisente, Przewalski-Pferde und andere Nachzüchtungen.
Nordböhmens Wärmewirtschaft plant Kohleausstieg bis 2030
Tschechien macht Tempo beim Kohleausstieg. In Nordböhmen, dem Herz der bisherigen Braunkohleförderung, soll die Versorgung mit Fernwärme laut dem wichtigsten Wärmeversorger ČEZ bis 2030 nicht mehr auf der Basis von Braunkohle erfolgen. Kohle wird künftig durch Erdgas und Biomasse ersetzt. Langfristig setzt der mehrheitlich staatliche Energiekonzern ČEZ auch auf Wärmeversorgung aus kleinen modularen Kernreaktoren, Wasserstoff und der Müllverbrennung.
Erste Schritte sind bereits erfolgt. So ging im Juni in Prunéřov bei Chomutov ein neuer Gaskessel in Betrieb, der als alternative Wärmequelle zum bestehenden Kohlekraftwerk dient. Künftig soll er die nahe Stadt Kadaň mit Wärme versorgen, die ihre Fernwärme bisher aus dem Kohlekraftwerk Tušimice bezieht. Dafür baut ČEZ eine 5,7 Kilometer lange Wärmeleitung von Prunéřov nach Kadaň. In Prunéřov sollen außerdem ein Biomassekessel und weitere Gaskessel gebaut werden. Sie sollen ab der Heizsaison 2028/29 Wärme liefern.
In Prunéřov standen einmal die größten Kohlekraftwerke Tschechiens. Das Kraftwerk Prunéřov I galt als eine der größten Dreckschleudern Europas und wurde im Juni 2020 vom Netz genommen.
Außerdem hat ČEZ in Ústí nad Labem in Kooperation mit der Stadt fünf neue Gaskessel sowie einen Kilometer Wärmeleitung gebaut. Damit wurde die Fernwärme für 3.000 Haushalte abgesichert.
Zu den weiteren Planungen von ČEZ auf dem Weg zum Kohleausstieg gehören der Bau eines Blockheizkraftwerks in Prunéřov, eines kleinen modularen Reaktors in Tušimice sowie eines Gas-Dampf-Kombikraftwerks in Trmice bei Ústí. Bis 2030 hat ČEZ Investitionen in Höhe von über 4 Milliarden Euro in die Transformation der Energiewirtschaft allein im Bezirk Ústí angekündigt.
Tschechien verabschiedet sich von Kardinal Duka
Mit einer Messe im Prager Veitsdom auf dem Hradschin (Hradčany) hat sich Tschechien am vergangenen Wochenende von dem langjährigen Erzbischof von Prag und ´Kardinal Dominik Duka verabschiedet. Duka verstarb am 4. November im Alter von 82 Jahren. Er war bis 2022 mehr als 12 Jahre Erzbischof von Prag.
Das Gedenken erfolgte in Anwesenheit des jetzigen Staatspräsidenten Petr Pavel und seiner zwei Vorgänger Václav Klaus und Miloš Zeman. Dazu wurde das Requiem b-moll von Antonín Dvořák aufgeführt. Auch Würdenträger anderer Religionen und Glaubensgemeinschaften erwiesen dem langjährigen Erzbischof die letzte Ehre. Dukas Körper fand in der Gruft der Erzbischöfe im Veitsdom seine letzte Ruhe. Dort ruhen bereits die sterblichen Überreste seiner Vorgänger František Tomášek und Miloslav Vlk.
Duka wirkte als Priester vor 1989 in der Illegalität und musste dafür zwei Jahre ins Gefängnis. Seit 1986 führte er den Dominikanerorden in der Tschechoslowakei. 1998 wurde er zum Bischof von Hradec Králové (Königgrätz) ernannt, bis er im Jahr 2010 zum neuen Erzbischof von Prag berufen wurde. Sein Nachfolger wurde 2022 der damalige Bischof von Olomouc (Olmütz) Jan Graubner.
Nach dem Ableben seines Vorgängers Miloslav Vlk ruhten auf Duka die Hoffnungen, den Kurs der Öffnung von Vlk fortzusetzen. Diese wurden allerdings ein ums andere Mal enttäuscht. Duka wirkte als konservativer Bewahrer katholischer Tradition. Einer der Höhepunkte seiner Amtszeit war die Wiedererrichtung und Weihe der Mariensäule auf dem Altstädter Ring.
Sudetendeutscher Tag 2026 erstmals in Tschechien
Die Sudetendeutsche Landsmannschaft wird ihren Sudetendeutschen Tag im kommenden Jahr erstmals in der alten Heimat Tschechien ausrichten. Er findet traditionell zu Pfingsten, nächstes Jahr also vom 22. bis 25. Mai statt, diesmal in der mährischen Metropole Brno (Brünn). Dass die Wahl auf Brno fiel, ist kein Zufall. Die zweitgrößte Stadt Tschechiens hatte vor Jahren als erste offiziell der Opfer der Vertreibung der deutschen Bevölkerung gedacht. Wichtigstes Zeichen ist seit zehn Jahren der Marsch der Versöhnung, der immer im Juni in umgekehrter Richtung und in Gedenken des Todesmarsches von 1945 von der österreichischen Grenze nach Brno führt.
Die Entscheidung für Brno folgt auf eine Einladung des Vereins "Meeting Brno", der den Versöhnungsmarsch organisiert, welche auf dem letzten Sudetendeutschen Tag in Regensburg in diesem Jahr ausgesprochen wurde.
Premiere für Dampferfahrten im Advent
Erstmals gibt es in diesem Jahr auf der Elbe zwischen Bad Schandau und Roudnice nad Labem (Raudnitz) adventliche Dampferfahrten. Im Auftrag des Bezirks Ústí (Aussig) bricht die Reederei Labská plavební společnost ab 27. November mit ihrem historischen Schaufelraddampfer "Labe" (Elbe) zu regelmäßigen Flussfahrten auf. Die Dampferfahrten finden immer donnerstags bis sonntags statt. Die letzte Fahrt gibt es am 21. Dezember.
Da die Fahrten vom Bezirk Ústí bestellt werden, gilt auf allen Routen ein vergünstigtes Ticket der Verkehrsgesellschaft des Bezirks Doprava Ústeckého kraje, das über die auch auf Deutsch vorhandene App "DÚKapka" erworben werden kann. Laut Plan verkehrt der Dampfer donnerstags und freitags zwischen Ústí nad Labem und Litoměřice (Leitmeritz), samstags geht es von Ústí nach Bad Schandau und zurück sowie sonntags von Ústí nad Roudnice nad Labem.
Der Bezirk Ústí bietet Altersheimen und Schulklassen bevorzugt die Anmietung von Salons an. Gleichzeitig möchte der Bezirk mit diesem erstmaligen Angebot auch für die vielen Tage entschädigen, an denen in diesem Jahr wegen Niedrigwasser keine Dampferfahrten möglich waren, heißt es in einer Pressemitteilung. Die Kosten für die Dampferfahrten beziffert der Bezirk mit 1,8 Millionen Kronen (75.000 Euro).
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Der längste Sessellift Tschechiens wird erneuert
Der Sessellift von Krupka (Graupen) zum Gipfel Komáří hůrka (Mückenberg) auf dem Osterzgebirgskamm wird in den kommenden 12 Monaten saniert. Ziel der Sanierung ist eine Modernisierung von Berg- und Talstation sowie der Außenanlagen bei gleichzeitiger Erhaltung oder sogar Wiederherstellung des historischen Charakters. "Wir möchten, dass der Sessellift an seine Anfänge zurückkehrt. An der Talstation an der Terrasse gab es zum Beispiel früher Lampen, die wir wieder anbringen wollen", sagte Liftchef Marek Ferenc der Tageszeitung "Mladá fronta Dnes". Der Lift ging 1952 in Betrieb.
Wichtig für alle Fans des Sessellifts: Die Sanierung wird bei laufendem Betrieb durchgeführt. Bis auf die regulären Wartungen, die mehrmals im Jahr durchgeführt werden, kann der Lift mit Einschränkungen genutzt werden. Diese sind vor allem bei den Zugängen zum Lift zu erwarten, nicht am Lift selbst. Die durch die Sanierung bedingten Ausfallzeiten des Lifts sollen so gering wie möglich gehalten werden. Das dürfte im März/April nächsten Jahres der Fall sein, wenn die Fußböden saniert werden und eine Einstellung des Liftbetriebs unausweichlich wird.
Vorgesehen ist an der Talstation die Erneuerung der Fassade und ein Austausch von Fenstern und Türen. Der Imbiss wird neu ausgestattet und die Toiletten saniert. Außerdem wird die Ausstellung zur Geschichte und Betrieb des Sessellifts erweitert. Diese ist für die Öffentlichkeit zugänglich.
An der Bergstation kommt es zu Reparaturen und einer teilweisen Wärmedämmung. Die Trink- und Abwasserversorgung wird erneuert und die Wärmeversorgung auf Wärmepumpe umgestellt. Es entsteht eine neue Werkstatt für die Wartung der Sitze des Lifts.
Der Sessellift ist mit einer Länge von 2.348 Metern laut Betreibern nicht nur der längste Lift Tschechiens ohne Zwischenstation, sondern auch von ganz Mitteleuropa. Seit 2013 ist der Lift in Tschechien nationales Kulturdenkmal und trägt seit 2022 den Status eines historischen Sessellifts. Nach der Modernisierung des Sessellifts auf die Schneekoppe ist er inzwischen auch der älteste seiner Art, der immer noch wie bei Betriebsbeginn 1952 funktioniert.
Erster Luchsnachwuchs im Erzgebirge
Erstmals seit fast 300 Jahren hat sich im Erzgebirge wieder ein Luchspaar vermehrt. Die im vergangenen Jahr ausgesetzten Luchse Alva (Weibchen) und Chapo (Männchen) sind laut Sächsischem Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) die Elterntiere. Beide wurden 2024 im Rahmen des Projekts ReLynx zur Wiederansiedlung dieser Wildkatzen in der Nähe von Eibenstock ausgewildert worden. Laut GPS-Daten hielten sie sich Anfang April für drei Tage gemeinsam im Territorium von Alva auf. Daraus sind nun zwei Jungtiere geworden, die zu Beginn des Herbstes von einer Fotofalle „erwischt“ wurden. Die Schwangerschaft eines Luchsweibchens dauert gemeinhin 10 Wochen. Demzufolge müssen die Jungtiere im Juni zur Welt gekommen sein.
Auch bei den Wölfen wurde wieder Nachwuchs vermeldet. Allein im Schluckenauer Zipfel in Nordböhmen zählten Wolfsexperten auf der Basis von Fotofallen mindestens 14 Jungtiere. Es können aber schon mehr sein. Auch die Wölfe haben sich wieder angesiedelt, allerdings von selbst durch Einwanderung wahrscheinlich aus Polen. Ihre Entwicklung verläuft laut Monitoring sehr gut. So gibt es allein in der Region des Schluckenauer Zipfels inzwischen fünf Rudel. Das Wolfsgebiet reicht auch ins benachbarte Sachsen.
Im Erzgebirge sind aufgrund seiner Weitläufigkeit keine so präzisen Angaben möglich. Bestätigt sind dort insgesamt sieben Wolfsrudel. In drei von ihnen kann gesichert von Nachwuchs in diesem Jahr gesprochen werden.
Regierung hilft Problemviertel in Šluknov
Die tschechische Regierung hat einem Hilfspaket in Höhe von fast 200 Millionen für die nordböhmische Kleinstadt Šluknov (Schluckenau) zugestimmt. Die Stadt will mit dem Geld 14 Plattenbauten in einer Siedlung am südöstlichen Stadtrand kaufen. Insgesamt kostet der Deal 285 Millionen Kronen (11,7 Millionen Euro). 25 Millionen Kronen zahlt Šluknov aus der eigenen Tasche, weitere 60 Millionen Kronen steuert der Bezirk Ústí bei.
Nach der Übernahme der Häuser will die Stadt einen kleinen Teil in sehr schlechtem Zustand abreißen und die übrigen sanieren. Hintergrund für das bislang in Tschechien einmalige Großprojekt ist die ungewöhnlich hohe Quote der Bewohner in Abhängigkeit von Sozialhilfe. Davon sind laut der staatlichen Agentur für soziale Eingliederung fast alle der 1.500 Einwohner betroffen. Ziel des gemeinsamen Projekts ist, diese Quote auf 20 Prozent zu drücken. Mit der Sanierung der Häuser einher gehen soll intensive Sozialarbeit, Unterstützung bei der Arbeitssuche, Bildungsprojekte sowie Entschuldungsberatung. Auch dabei soll die Gemeinde durch den Staat unterstützt werden. Der Großteil der jetzigen Bewohner soll in der Plattenbausiedlung weiterwohnen können, für einen kleinen Teil werden Wohnungen in der Region gefunden. Ein weiterer Zuzug von sozial schwachen Menschen soll gestoppt werden.
Die Mittelzusage wurde am Mittwoch durch die noch bestehende Regierung in Demission angeführt von Premierminister Petr Fiala nach einem Jahr intensiver Vorbereitungen und Verhandlungen mit Staat, Bezirk und Kommune gemacht. Auch die Oppositionsparteien waren einbezogen, weshalb der Bürgermeister von Šluknov, Tomáš Kolonečný, davon ausgeht, dass auch die künftige Regierung das Projekt weiter unterstützen wird.
Läden bleiben zum Feiertag geöffnet
Am Montag wird in Tschechien der Tag des Kampfes für die Freiheit und Demokratie begangen. Am 17. November vor 36 Jahren demonstrierten in Prag Tausende Studenten und Bürger für Freiheit und Demokratie. Die offiziell nicht zugelassene Versammlung wurde von den bewaffneten Einheiten teils brutal auseinandergetrieben. Sie galt als der Beginn der Samtenen Revolution in der damaligen Tschechoslowakei.
Obwohl an vielen Feiertagen die größeren Geschäfte in Tschechien geschlossen bleiben, gehört der 17. November nicht dazu. Alle Läden bleiben also geöffnet. Lediglich Museen haben wie immer montags geschlossen.
Parlament wählt Rechtsaußen zum Präsidenten
Das tschechische Parlament hat auf seiner ersten Sitzung Tomio Okamura zu seinem Präsidenten gewählt. Der Vorsitzende der Rechtsaußenpartei Svoboda a přímá Demokrace (Freiheit und direkte Demokratie) wurde mit den Stimmen der künftigen Regierungsparteien ANO und Autofahrer sowie seiner eigenen Partei gewählt. Der japanischstämmige Okamura macht regelmäßig Stimmung gegen Ausländer, Minderheiten und politische Gegner. Seine Wortwahl ist häufig rassistisch und fremdenfeindlich, er fordert langfristig den Austritt Tschechiens aus der EU und der NATO.
Seine Wahl ist ein Deal zwischen den künftigen Regierungsparteien. Okamura wollte bewusst kein Ministeramt, wo er Verantwortung übernehmen müsste, sondern hatte es auf den prestigträchtigen Posten des Parlamentspräsidenten abgesehen. Dabei hatte Okamura die parlamentarischen Gepflogenheiten in der Vergangenheit bewusst mit Füßen getreten. Seine Partei hatte bei den Wahlen sogar deutlich an Zustimmung verloren. Da sie jedoch für die Regierung gebraucht wird, kam es zu dem Deal. Außerdem drohen sowohl dem voraussichtlich künftigen Premierminister Andrej Babiš als auch Okamura Gerichtsverfahren. Um abzusichern, dass ihre Abgeordnetenimmunität nicht aufgehoben wird, sind beide auf die Zusammenarbeit angewiesen.
Als eine der ersten Amtshandlungen ließ Okamura die ukrainische Fahne vom Parlament entfernen. Der Parlamentspräsident ist nach Staatspräsident und Senatspräsident nominell das dritthöchste Amt im tschechischen Staat.
Tschechische Regierung tritt zurück
Die Regierung des Ministerpräsidenten Petr Fiala hat bei Staatspräsident Petr Pavel ihren Rücktritt eingereicht und ihre Entlassungsurkunden erhalten. Bis zur Bildung der neuen Regierung bleiben die Minister aber noch kommissarisch im Amt. Die künftige Regierung aus ANO, Autofahrern und SPD verabschiedete in dieser Woche ihr Regierungsprogramm.
Neue Gedenktafel für Karl May
Der Schriftsteller und geistige Vater von Winnetou und Old Shatterhand, Karl May, wurde in Chomutov mit einer Gedenktafel geehrt. Die Tafel wurde am früheren Hotel Scherber in der Chelčický-Straße enthüllt. May weilte hier 1897 auf Besuch bei Freunden. Er kam aus seinem auf der anderen Seite des Erzgebirges gelegenen Heimatort Hohenstein-Ernstthal. Karl May war und ist noch in Tschechien sehr beliebt. Schon länger gibt es eine May-Straße in Ústí nad Labem, in der Nähe eines Hotels, wo er eine Zeit lang abstieg und in der Nähe des Schreckensteins Inspiration für seine Werke fand.
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